Irma passt auf!

Big Bro­ther is watching you. Das ist umso bes­ser, wenn es tat­säch­lich ein Mit­glied der eige­nen Fami­lie ist und kein unbe­kann­ter Ein­dring­ling. Die Stadt­wer­ke von Bad Pyr­mont set­zen daher eher auf eine „gro­ße Schwes­ter“, näm­lich auf IRMA.

Thors­ten Hamann und Frank Jakob (v.li.)

An Frank Jakob und Thors­ten Hamann kommt man nur her­an, wenn die Her­ren es wol­len. Denn ihr Reich ist durch eine Sicher­heits­tür vom Rest der Stadt­wer­ke Bad Pyr­mont abge­trennt. Was sei­nen guten Grund hat, denn die bei­den arbei­ten in der Leit­tech­nik der Stadt­wer­ke. Hier lau­fen Infor­ma­tio­nen über die Ver­sor­gungs­lei­tun­gen von Strom, Was­ser, Abwas­ser und Gas zusam­men, wer­den kon­trol­liert und bei Bedarf Repa­ra­tur- oder Ser­vice­ar­bei­ten ange­sto­ßen. Kein Bereich, in dem Besu­cher unkon­trol­liert ein- und aus­ge­hen soll­ten. „Schon das gehört zur ers­ten Stu­fe unse­res Sicher­heits­kon­zepts.“

Kur­ort mit Tra­di­ti­on

Wir über­wa­chen in die­ser Leit­war­te die Ver­sor­gung von rund 18.000 Ein­woh­nern in unse­rem Stadt­ge­biet“, berich­tet Frank Jakob, der Abtei­lungs­lei­ter der Leit­tech­nik ist. „Neben dem Strom‑, Was­ser- und Gas­netz über­wa­chen wir auch die Ver­sor­gung von Groß­kun­den mit Fern­wär­me. Dazu zäh­len u. a. das hie­si­ge Staats­bad mit dem Stei­gen­ber­ger Hotel, das Kon­zert­haus und die Wan­del­hal­le.“ Bad Pyr­mont ist ein tra­di­ti­ons­rei­cher Kur­ort mit zahl­rei­chen öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen und reich­lich His­to­rie.

In der Leit­tech­nik der Stadt­wer­ke Bad Pyr­mont

Die Sen­so­rik, mit der wir die Ver­sor­gung über­wa­chen, ist fast kom­plett per Kup­fer­ka­bel ange­schlos­sen“, erläu­tert Thors­ten Hamann. „Natür­lich set­zen auch wir auf immer mehr Digi­ta­li­sie­rung unse­rer Sys­te­me, um schnel­ler und zuver­läs­si­ger zu agie­ren. Dabei instal­lie­ren wir nicht nur, son­dern bau­en z. B. unse­re Schalt­schrän­ke sel­ber auf und pro­gram­mie­ren auch unse­re Steue­run­gen, die vor Ort die Fern­war­tung rea­li­sie­ren, sel­ber.“

Instal­la­ti­on und Inbe­trieb­nah­me wer­den in Eigen­re­gie durch­ge­führt

Der Tech­ni­ker ist nicht nur ver­siert, wenn es um die zahl­rei­chen Spe­zi­al­fäl­le geht, die der The­men­mix von Gas, Was­ser, Fern­wär­me und Strom mit sich bringt. Hamann ist auch zustän­dig für die Über­wa­chung der Über­wa­chung, näm­lich für IRMA. „Als Ener­gie­ver­sor­ger unter­lie­gen wir den Auf­la­gen zur soge­nann­ten kri­ti­schen Infra­struk­tur. Der Gesetz­ge­ber ver­langt von uns beson­ders stren­ge Maß­nah­men zum Schutz und zur Absi­che­rung der Sys­te­me.“

Hier ver­steckt sich IRMA, in einem eige­nen 17″-Rack

Die­se Maß­nah­men wer­den fort­lau­fend durch exter­ne Exper­ten über­wacht, die bei den Stadt­wer­ken Bad Pyr­mont bei regel­mä­ßi­gen Besu­chen die Anla­gen und ihre Struk­tu­ren genau ana­ly­sie­ren. Die­se Besu­che wer­den Audits genannt. Besteht ein Ver­sor­ger die­ses Audit, erhält er die erfor­der­li­che Zer­ti­fi­zie­rung nach DIN 27001 für den wei­te­ren Betrieb. „Beim letz­ten Audit wur­de fest­ge­stellt, dass unse­re zen­tra­le Fire­wall den Anfor­de­run­gen an die Cyber-Sicher­heit nicht mehr genügt“, berich­tet Frank Jakob.

Über­wa­chung im Hin­ter­grund

„Es wur­de also drin­gend Zeit, sich dem The­ma inten­siv zu wid­men. Und zwar so, dass wir in Zukunft auch hier sel­ber admi­nis­trie­rend tätig sein kön­nen. Und da sind wir auf IRMA auf­merk­sam gewor­den.“ Was ver­steckt sich hin­ter der rus­sisch klin­gen­den Abkür­zung?
Hau­ke Käs­ting, einer der Exper­ten von Phoe­nix Con­tact für den Bereich Secu­ri­ty, erklärt: „IRMA steht für Indus­trie Risi­ko Manage­ment Auto­ma­ti­on und basiert auf einer gehär­te­ten Linux-Anwen­dung, die auf einem Indus­trie-PC von Phoe­nix Con­tact instal­liert ist. Das Sys­tem arbei­tet im Hin­ter­grund und über­wacht selbst­stän­dig sämt­li­che Teil­neh­mer und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dun­gen.“

Dabei wird nicht der Inhalt der Kom­mu­ni­ka­ti­on über­wacht, son­dern der Daten­ver­kehr. Stän­dig sau­sen im Netz­werk der Stadt­wer­ke Pyr­mont Daten hin und her, über­tra­gen Steue­run­gen Mess­wer­te, mel­den etwa Smart Meter Strom­ver­bräu­che, sen­den Sen­so­ren Was­ser­stän­de. Die­se Daten­kom­mu­ni­ka­ti­on wird zunächst von IRMA erfasst und „gelernt“. „Das ist für uns die eigent­li­che Arbeit“, schil­dert Thors­ten Hamann. „Wir müs­sen IRMA die ein­zel­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner „bei­brin­gen“, sie qua­si anmel­den.“ Sobald IRMA schlau genug ist, weiß das Sys­tem, wel­che Akti­vi­tä­ten nor­mal sind. Und vor allem merkt sie, wenn Ano­ma­li­en auf­tau­chen. Wenn etwa eine Steue­rung anfängt, nicht nur mit der Leit­war­te zu kom­mu­ni­zie­ren, son­dern mit ande­ren Steue­run­gen im Netz­werk. Oder ein Netz­werk-Teil­neh­mer eine Ver­bin­dung ins Inter­net auf­baut, die nicht zu sei­nen Auf­ga­ben gehört. „Dann schlägt IRMA Alarm und macht uns auf even­tu­el­le Stö­run­gen auf­merk­sam. Aber IRMA bleibt stets im Hin­ter­grund, ist ein rei­nes Moni­to­ring-Sys­tem und hat damit auch kei­ne Rück­wir­kun­gen in unse­re akti­ven Sys­te­me.“

Wir ler­nen unser Netz­werk ken­nen

Für Frank Jakob und sei­ne Kol­le­gen ist dies einer der wesent­li­chen Vor­tei­le des Sys­tems. Dazu kommt aber noch ein sehr erfreu­li­cher Neben­ef­fekt, wie Thors­ten Hamann schil­dert: „Mit IRMA haben wir unser eige­nes Netz noch ein­mal ganz neu ken­nen­ge­lernt. Erst IRMA hat uns gezeigt, wer eigent­lich mit wem kom­mu­ni­ziert. Und aus die­sem Wis­sen zau­bert uns IRMA einen stets aktu­el­len Netz­werk­plan, der für die nächs­te Zer­ti­fi­zie­rungs­run­de wich­tig ist. Auf Knopf­druck.“

stadtwerke-bad-pyrmont.de

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