Prominenz, Gäste, Presse – alle weg. Ab jetzt haben die Experten freie Bahn. Es wird getestet, was das Zeug hält. Bis die Kabel glühen (sofern sie nicht flüssigkeitsgekühlt sind!). Wie das funktioniert und was das Prozedere mit Speeddating zu tun hat, schildern wir in folgenden Zeilen.

„Ein ganz schönes Geschleppe.“ Andreas Diekmann kommt auf Betriebstemperatur. Der Experte für alles, was bei Phoenix Contact mit Hardware für E-Mobility zu tun hat, packt mit an beim Strippenziehen. Und die „Strippen“ sind armdick! Diekmann und Michael Lakemeyer von der Betriebstechnik am Blomberger Standort haben nicht nur monatelange Planungen für das CharIN Testival hinter sich. Die beiden und zahlreiche weitere Helfer sind auch unverzichtbar, damit der ambitionierte Testplan durchgezogen werden kann.
Frisch verkuppelt
Die Herausforderung: Drei volle Tage lang wollen 14 Ladesäulen, sechs Testsysteme und zehn Fahrzeuge eine innige Verbindung eingehen. Und zwar in einem permanenten Umlauf. Nach 90 Minuten Test wird abgekoppelt, umgeparkt und umgebaut, dann geht es in neuer Kombination weiter. Klappt die Paarung? Funktioniert der Testvorgang? Warum bricht die Verbindung dauernd ab? Oder warum klappt es auf Anhieb hier, aber vorher gar nicht? Die Daten, die hier gesammelt werden, fließen direkt in die Entwicklung und Verbesserung von Prototypen und Vorserienmodellen ein.
Einmal durchatmen. Alle Fahrzeuge haben ihren neuen Standort gefunden, alle Kabel sind gesteckt, alle Adapter gefunden und die Laptops gezückt. Für Diekmann und Lakemeyer endlich Zeit für einen heißen Kaffee. Ganz schön kühl heute morgen. Der Staplerfahrer kommt vorbei. Schnell wird anhand des Ablaufplans abgesprochen, wie der nächste Wechsel absolviert wird. Kupfer istr schwer und DC-Ladekabel dick, da kommt der Kollege mit seinem Stapler zum Einsatz.
Immer dann, wenn ein Fahrzeug oder eine Ladesäule kein passendes Pendant gefunden hat, kommen zudem die mobilen Teststände zum Einsatz. An denen warten zwar auch Kabel und Inlets auf gegenseitige Verbindung, doch am anderen Ende des Kabel simuliert Kollege Computer mal ein Fahrzeug, mal eine Ladesäule.
Geben und Nehmen – bidirektionales Laden
Andreas Diekmann hat in den tollen Testtagen in Blomberg eine Doppelrolle. Denn immer dann, wenn „Mister Hardware“ gerade nicht dabei ist, Ladesäulen und Fahrzeuge zu verheiraten und den Testteams zur Hand zu gehen, kümmert er sich zusammen mit dem Phoenix-Contact-eigenen Team am eigenen Teststand darum, die neueste Entwicklung in Sachen Leistungselektronik zum Einsatz zu bringen. Denn Phoenix Contact ist nicht nur Gastgeber des Events, sondern nutzt die Gelegenheit natürlich ebenfalls, Charx-Komponenten in zahlreichen Kombinationen mit Fahrzeugen aller Art zu koppeln. Götz Poenaru nickt zufrieden: „Klappt ja auf Anhieb.“ Der Software-Entwickler von Phoenix Contact blickt nicht ohne Stolz auf den Mercedes eActros, der auf seine bidirektionalen Fähigkeiten getestet wird. Die Verbindung klappt auf Anhieb, der Gigant gibt auf Signal einen Teil seiner Leistung ab. Kurzes Kommando per Laptop, dann wird der Lkw wieder geladen. Beide Teams sind happy, denn so reibungslos funktioniert der Austausch nicht immer.
Teamspirit
Der Zeitrahmen ist im Fluge um, die Teams trennen Fahrzeuge von Ladesäulen oder Testständen. Beeindruckend ist nicht nur das nahezu lautlose Wechseln zwischen den Stationen – lediglich ein leises Summen ist zu hören, wenn sich die Elektromobile in Bewegung setzen. Beeindruckend ist auch die Konzentration, mit der die Experten sich austauschen, die Köpfe zusammenstecken und Details diskutieren. Das CharIN Testival ist keine Veranstaltung konkurrierender Unternehmen, sondern ein produktiver Austausch der hellsten Köpfe der Branche. Und das in einem inspirierenden Miteinander.






