Last Day: Testen bis High Noon

Endspurt im All Electric Society Park in Blomberg. Pkw, Lkw und Prototypen bewegen sich leise knirschend über die Parkplätze, Köpfe beugen sich konzentriert über Anzeigen, Ladestecker werden in leistungsstarke Inlets gesteckt. Das Testival geht auf die Zielgerade. Wir haben hinter die Kulissen des CharIn Testivals geschaut.

Monate der Vorbereitung

Christina Friebe im Interview

Mehr als 360 Teilnehmer, 27 Unternehmen, 33 Testobjekte und hunderte Ladevorgänge: Das internationale Testival auf dem Gelände von Phoenix Contact hat sich in dieser Woche als einer der wichtigsten Praxistreffs der Ladeinfrastruktur-Branche erwiesen. Hinter dem reibungslosen Ablauf stand ein monatelanger Organisationsprozess, den Christina Friebe als Gesamtprojektleiterin auf Seiten des Veranstalters CharIn Testivals koordinierte.

„Eigentlich begann die Arbeit schon vor einem halben Jahr“, berichtet Friebe. Bereits im Februar fanden die ersten Gespräche statt, seit März liefen die konkreten Vorbereitungen. Von der Dienstleisterkoordination über technische Abstimmungen bis hin zu Genehmigungen, Marketing-Konzepten und der Auswahl geeigneter Testflächen lag die Organisation in ihren Händen. „Alles, was dahintersteckt, damit die Teilnehmer ankommen und eine gute Zeit haben.“

190 mal Hausaufgaben

Die Dimensionen des Events zeigen, wie aufwendig eine solche Veranstaltung inzwischen geworden ist. Über die Woche verteilt waren mehr als 360 Teilnehmer vor Ort, darunter Unternehmen, Entwickler, Tester und Organisationsteams. Allein am stark frequentierten Public Day am Mittwoch wurden über 250 Gäste gezählt. Allein das Team von CharIn war mit sieben Mitarbeitenden vor Ort vertreten, dazu kamen Experten von Partnerunternehmen.

Im Mittelpunkt standen die technischen Praxistests. An insgesamt 19 verschiedenen Testplätzen konnten Fahrzeuge, Ladeeinrichtungen und Testsysteme miteinander kombiniert werden. Insgesamt nahmen 27 Unternehmen mit 33 sogenannten „Pieces of Equipment“ teil, also Fahrzeugen, Ladesäulen oder speziellen Testsystemen. Über die verschiedenen Zeitslots hinweg ergaben sich so rund 190 mögliche und jeweils 90 Minunten dauernde Testpaarungen. Allein die Auswertung der Testdaten wird die Ingenieure noch Wochen beschäftigen.

Die idealen Partner

Besonders komplex war und ist die Planung dieser Testkonstellationen. Denn die Unternehmen melden sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten an. Wer teilnimmt, wird auf der Veranstaltungswebsite veröffentlicht, sodass andere Firmen frühzeitig erkennen können, welche potenziellen Testpartner bereits registriert sind. Ein vollständiges Bild entsteht jedoch oft erst wenige Wochen vor Veranstaltungsbeginn. Die letzte Anmeldung ging laut Friebe erst drei Wochen vor dem Event ein.

Damit dennoch möglichst passgenaue Tests zustande kommen, müssen alle Teilnehmer detaillierte technische Angaben machen. In einem Fragebogen wird erfasst, welche Standards und Funktionen die jeweiligen Systeme unterstützen. Auf dieser Basis erstellt der technische Partner Keysight Technologies ein komplexes Matching zwischen den verschiedenen Teilnehmern. Gleichzeitig dürfen die Unternehmen Wunschpartner benennen, mit denen sie bevorzugt testen möchten.

Ingenieure finden kein Ende

Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf: Christina Friebe von CharIN

„Das ist wie ein großes Puzzle“, beschreibt Friebe den Prozess. Ziel sei es, möglichst viele technisch sinnvolle Kombinationen zu ermöglichen und gleichzeitig die Wünsche der Teilnehmer zu berücksichtigen. Ergänzt wird das Konzept durch sogenannte „After-Hour-Tests“. Da viele Ingenieure auch nach dem offiziellen Programm weiterarbeiten möchten, steht täglich eine zusätzliche Stunde für spontane Versuche zur Verfügung. „Ingenieure finden kein Ende“, sagt Friebe schmunzelnd. Gleichzeitig sorge die Regelung dafür, dass die Balance zwischen maximaler Testzeit und einem planbaren Veranstaltungsablauf gewahrt bleibt.

Das Fazit fällt dennoch eindeutig aus: Die Zusammenarbeit mit Phoenix Contact sei außergewöhnlich partnerschaftlich verlaufen. Trotz der Größe des Konzerns und der damit verbundenen Abstimmungsschleifen habe das Team vor Ort das Event umfassend unterstützt. „Wir hatten hier eine sehr schöne Zeit“, sagt Friebe. Sie kann es beurteilen, denn für Christina Friebe war das Testival in Blomberg bereits die zehnte Veranstaltung dieser Art. Seit mehr als vier Jahren begleitet sie die internationalen Testevents und war dabei bereits mehrmals in Europa, Südkorea und den USA im Einsatz.

Testfeld Zukunft

Das Testival hat damit eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig der direkte Praxistest für die Weiterentwicklung der Elektromobilität ist. Zukunftsthemen wie bidirektionales Laden und das Megawatt-Laden der schweren Nutzfahrzeuge wollen abschließend standardisiert und etabliert werden.

Aber das dominierende Thema war das Zusammenwachsen von Technologiebereichen, die über Jahrzehnte unabhängig voneinander existiert haben. Mobilität und Energienetze werden künftig viel enger verknüpft, und sie müssen eine gemeinsame Sprache und Zielrichtung entwickeln, um Energie- und Mobilitätswende gemeinsam voranzutreiben. Blomberg wurde für vier Tage zum realen Testfeld dieser Zukunft.

CharIn e.V.
Phoenix Contact e-Mobility

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