Rechnet sich Elektromobilität? Die Zukunft fährt elektrisch. Aber lohnt sich der Umstieg auch finanziell? Das hängt davon ab, wer rechnet: ein privater Autofahrer mit Wallbox, eine Vielfahrerin ohne eigene Lademöglichkeit oder eine Spedition mit 70 Lkw. In der neuen Folge des Podcasts „Elektrisiert“ treffen drei unterschiedliche Perspektiven aufeinander.

Jörg Wargowske ist Elektroingenieur bei Phoenix Contact und pendelt fast täglich rund 20km Kilometer vom ostwestfälischen Detmold nach Blomberg ins Büro. Er fährt bereits elektrisch und betrachtet die Kosten aus privater und technischer Sicht. Thomas Schulte Lindhorst, Geschäftsführer der Spedition Schulte Lindhorst in Rietberg plant den Einstieg in die E-Mobilität mit zunächst fünf bis zehn Lkw. Podcasterin Christina Jahnich ist viel auf der Autobahn unterwegs, hat aber keine eigene Wallbox. Ihr Weg zur Arbeit beträgt rund 100 Kilometer pro Strecke. Die Beispiele zeigen: Die eine Rechnung für Elektromobilität gibt es nicht.
Wenn aus Begeisterung eine Rechnung wird
Bei Jörg Wargowske begann der Einstieg in die Elektromobilität nicht mit dem Taschenrechner, sondern mit einem Werkstattwagen. Während das eigene Auto beim Service war, fuhr er erstmals elektrisch. Das Interesse war geweckt. Es folgten Überlegungen zur Wallbox, zur Kabellänge und zum Anschluss im eigenen Haus. Dann fiel die Entscheidung für das E-Auto.
„Mein Zugang zum E-Auto war eigentlich nicht wirtschaftlicher, sondern emotionaler Natur“, sagt Jörg Wargowske. Nachgerechnet hat er trotzdem. Bei einem Strompreis von 30 Cent je Kilowattstunde und einem Verbrauch von 17 Kilowattstunden entstehen Energiekosten von 5,10 Euro je 100 Kilometer. Einen vergleichbaren Diesel setzt er mit sechs Litern Verbrauch an. Bei einem Kraftstoffpreis von 2,15 Euro ergeben sich 12,90 Euro für dieselbe Strecke.
Diese Rechnung passt zu seinem persönlichen Fahrprofil. Lange Autobahnstrecken fährt er nur selten. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Kfz-Steuer, Servicekosten, Bremsenverschleiß und die THG-Quote, die die eingesparten CO₂-Emissionen finanziell vergütet.
Bei Christina Jahnich sieht es anders aus. An einem Arbeitstag kommen bei ihr rund 200 Kilometer zusammen, häufig auf der Autobahn. Eine eigene Wallbox hat sie nicht. Bei durchschnittlich 46 Cent je Kilowattstunde an öffentlichen Ladesäulen errechnet sie Energiekosten von rund 7,30 Euro auf 100 Kilometer. Damit liegt ihr Wert noch immer deutlich unter den Dieselkosten.
Der E-Lkw als Business Case
Für Thomas Schulte Lindhorst geht es um andere Größenordnungen. Seine Spedition bewegt 70 Lkw, teilweise europaweit. Im kommenden Jahr sollen zunächst fünf bis zehn Dieselfahrzeuge durch elektrische Modelle ersetzt werden. „Mit der Rechnung, die wir angestellt haben, ist es auch wirtschaftlich“, sagt er.
Ein E-Lkw kostet in seiner Kalkulation etwa doppelt so viel wie ein vergleichbares Dieselfahrzeug. Für den Vergleich rechnet er mit fünf Jahren Laufzeit und einer jährlichen Fahrleistung von rund 120.000 Kilometern. Einem Dieselverbrauch von 28 Litern stellt er einen Stromverbrauch von 100 Kilowattstunden je 100 Kilometer gegenüber. Unter den im Podcast genannten Annahmen spart der E-Lkw über fünf Jahre rund 40.000 Euro an Energiekosten. Noch stärker wirkt sich für die Spedition jedoch die Maut aus. Die ist nämlich für E-Lkw gestrichen. Für Thomas Schulte Lindhorst ist die Wirtschaftlichkeitsfrage damit weitgehend beantwortet.
Der Flaschenhals liegt am Standort
Mit dem Fahrzeugkauf allein ist die Umstellung nicht erledigt. Elektrische Lkw benötigen deutlich mehr Ladeleistung als ein privates E-Auto. Die Spedition braucht dafür am eigenen Firmengelände einen geeigneten leistungsstarken Stromanschluss, am besten eigene Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und Ladepunkte.
„In Zukunft muss ich täglich laden und am besten das meiste dann zu Hause vor Ort“, sagt Thomas Schulte Lindhorst. Für die Standorte der Spedition wurde deshalb ein Stromanschluss mit einer Leistung von drei bis 3,5 Megawatt beantragt. Ob die benötigte Leistung verfügbar sein wird und welche Kosten der Ausbau verursacht, ist noch offen.
Der Umstieg beginnt deshalb mit klar umrissenen Einsatzgebieten. Die ersten E-Lkw sollen Tagestouren übernehmen und am Abend zum Laden an den Standort zurückkehren. Schwieriger bleibt der Einsatz im Fernverkehr oder bei genehmigten Spezialtransporten. Feste Strecken, enge Zeitfenster und fehlende Lademöglichkeiten setzen dort noch Grenzen.
Auch die tägliche Arbeit verändert sich. Fahrer, Disposition, Ladezeiten und verfügbare Leistung müssen zusammenpassen. „Es ist die wirtschaftliche Variante, aber es muss auch im Tagwerk umgesetzt werden und dafür müssen alle Räder ineinandergreifen“, sagt Thomas Schulte Lindhorst.
Am Ende zählt der eigene Vorteil
Rechnet sich Elektromobilität? Die drei Beispiele liefern keine allgemeingültige Antwort. Sie zeigen vielmehr, welche Faktoren die Rechnung bestimmen: Fahrleistung, Energiepreis, Ladeort, Anschaffungskosten und Einsatzgebiet.
Beim privaten E-Auto und eigenem Haus können niedrigere Energiekosten den Ausschlag geben. Bei einer Spedition entsteht der Business Case aus hoher Laufleistung, günstigeren Energiekosten und Mautvorteilen. Zugleich verlangt die Umstellung Investitionen in Netzanschluss, Speicher und Ladeinfrastruktur.
Die Podcast-Folge hören
Wie die drei Rechnungen im Detail aussehen und welche Erfahrungen Jörg Wargowske, Thomas Schulte Lindhorst und Christina Jahnich mit der Elektromobilität machen, ist in der neuen Folge des Podcasts „Elektrisiert“ zu hören. Die Folge gehört zum dreiteiligen Mobilitäts-Check rund um die Fragen „Wohin führt ihre Reise?“, „Wie laden wir in Zukunft?“ und „Rechnet sich das überhaupt?“.
Spedition Schulte Lindhorst
Phoenix Contact E-Mobility




