Großputz beim Blitzschutz

Manchmal sind es die trivialen Dinge, die aufmerksam machen auf interessante Details. Wer mit wachen Augen durch das Hochstromlabor von Phoenix Contact läuft, dem fallen natürlich zunächst die imposanten Prüfapparaturen auf. Spulen, Trafos und Widerstände in beeindruckender Zahl und vor allem enormen Dimensionen. Hier können Blitze simuliert werden, die eine Stärke von 100.000 Ampere erreichen. Ziel ist es, Überspannungsschutzelemente zu testen, die in der Business Unit System Protection Technologies entwickelt werden.

Dirk Hoffmann im Einsatz

Und irgendwann, vielleicht kurz nach dem Frühjahrsputz in den eigenen vier Wänden, fragt man sich bei einem erneuten Besuch, warum Spinnen, Staub und Wollmäuse einen großen Bogen um diese Perle der Technologieentwicklung von Phoenix Contact zu machen scheinen. Scheuen sie die 30.000 Volt, die hier anliegen können?

Handwerk in gefährlicher Mission

Frank Schäfer muss selber schmunzeln, als er die Frage hört. Doch ganz so trivial ist das Thema nicht. Der stellvertretende Laborleiter erklärt: „Die klassischen Reinigungsgeschwader dürfen den streng geschützten Bereich gar nicht betreten. Wer hier Hand anlegt, der muss genau wissen, was er tut.“ Dafür braucht es geschultes Personal. So wie Dirk Hoffmann von der Detmolder Firma Elektro-­Drücker. Der rückt tatsächlich einmal im Jahr an, bewaffnet mit Staubtuch, Putzlappen, Spezialreiniger und reichlich Sachverstand. Der gelernte Kabelmonteur und Fachmann für Elektroinstallation erzählt: „Ich mache das jetzt schon viele Jahre hier bei Phoenix Contact und insgesamt 35 Jahre. Das ist für uns Routine.“ Aber wie kommt man auf die Idee dieser ungewöhnlichen Nische im umkämpften Reinigungssektor? Der Ostwestfale brummelt: „Unsere Firma ist unter anderem spezialisiert auf die Reinigung von großen Transformatoren und Anlagen in der Energiewirtschaft und Industrie. Die müssen ja auch sauber gehalten werden.“

Aus gutem Grund. Die Sauberkeit dient nicht der Optik oder dem vermeintlichen Schutz von Spinne und Co. Denn tatsächlich können Staubablagerungen auf den Anlagen zu Überschlägen führen. Und die entladen sich mit gewaltigem Getöse. „Dann sind hier nicht nur die Apparaturen, sondern auch Wand und Decke gleich mit weg“, kommentiert Frank Schäfer die elektrischen Gewalten trocken.

Doch bevor der speziell ausgebildete Elektroinstallateur dem Staub an die Haftung geht, vergewissert er sich trotz vorheriger Anmeldung und spezieller Freigabe noch einmal selber, ob die Anlage spannungsfrei ist. „Sollte das nicht der Fall sein und ich unvorsichtig, dann wäre ich in rund 10 Millisekunden nur noch ein Aschehäufchen.“ Und Dirk Hoffmann will nicht als Staub enden, sondern ihn beseitigen. Also alles geerdet und kurzgeschlossen? Dann geht es den Wollmäusen an den Kragen.

Der korrekte Sitz der Schrauben, zuvor markiert, wird gleich mit kontrolliert

Mit Putzlappen, Staubtuch und einem speziellen Reiniger erledigt er seine Arbeit und gibt dabei noch Tipps – mit einem Augenzwinkern. Der Putzlappen muss weiß sein, erzählt er. „Weil er sonst abfärbt. Dann wären die schönen weißen Isolatoren bald zartrosa.“ Und das wäre denn doch komisch, denn das Blitzstromlabor von Phoenix Contact ist dank seiner innovativen Technologien ein echter Besuchermagnet. In dem Wollmäuse und Spinnenbeine keine Chance haben.

Elektro Drücker / Elektro Lampe
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