Die schlaue Fir­men­zen­tra­le

In Nord­horn steht ein neu­es Gebäu­de, wel­ches nicht nur zum Vor­zei­ge­ob­jekt für Energie­management und Gebäu­de­au­to­ma­ti­on taugt. Es wird zudem von Men­schen bevöl­kert, die den Drang zur Ver­net­zung ganz wort­wört­lich ver­in­ner­licht haben.

Das, was die Vri­el­män­ner aus Nord­horn bevor­zugt her­stel­len, wiegt schwer. Und es ist groß. Eine Spe­zia­li­tät des Unter­neh­mens aus der nie­der­säch­si­schen Stadt unweit der Gren­ze zu den Nie­der­lan­den sind näm­lich Trans­for­ma­tor­sta­tio­nen und Schalt­an­la­gen.

Kevin ten Win­kel ist Pro­jekt­ma­na­ger Ener­gie­au­to­ma­ti­on. Damit ist er hier eine Art Gebäu­de­ma­na­ger in digi­ta­len Sphä­ren. Denn über sei­nen Schreib­tisch wan­dern Mess­wer­te, Steu­er­im­pul­se und Ände­rungs­wün­sche, wenn es um das neue Büro- und Fer­ti­gungs­ge­bäu­de geht, in wel­ches unse­re Schrit­te uns füh­ren.

Glücks­fall grü­ne Wie­se

Das Ergeb­nis des Zusam­men­wir­kens von Vri­el­mann und Phoe­nix Con­tact steht frisch bezo­gen mit­ten auf der grü­nen Wie­se. Den Ent­schluss zum Neu­bau fass­te das mehr als 100 Mann star­ke Hand­werks­un­ter­neh­men erst 2017. ten Win­kel erzählt: „Die Fir­ma Vri­el­mann gibt es jetzt seit 44 Jah­ren mit Anfän­gen in einer Gara­ge. Zunächst ganz klas­sisch im Schalt­schrank­bau. Aber wir haben uns schnell wei­ter­ent­wi­ckelt und spe­zia­li­siert. Elek­tri­sche Anla­gen, egal ob Klein‑, Nie­der- oder Hoch­span­nung bis zu 36.000 Volt sind unser Kern­ge­schäft. Irgend­wann war klar – es wird Zeit für einen räum­li­chen Neu­an­fang.“

Pas­send kommt einer der bei­den Geschäfts­füh­rer, Hei­ko Ensink, zum Gespräch. Er führt aus: „Wir haben tat­säch­lich mit einem lee­ren Blatt ange­fan­gen. Es ging zunächst nicht um das Gebäu­de, son­dern um unse­re Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se. Die haben wir ana­ly­siert und dar­aus unser opti­ma­les Gebäu­de geplant.“

Hei­ko Ensink und Robert Vri­el­mann (v.li.)

Wer glaubt, dass in Sachen Bau nur Elon Musk „schnell kann“: Bau­be­ginn war im Janu­ar 2019. „Dabei sind wir fle­xi­bel geblie­ben. Zum Glück, denn zu Beginn war ein ande­rer Stand an Gebäu­de­au­to­ma­ti­sie­rung geplant.“ Der Kon­takt zu Phoe­nix ­Con­tact bestand zunächst nur als Lie­fe­rant von Bau­tei­len für den Schalt­an­la­gen­bau, seit 2018 auch für das The­ma Smart Buil­ding. Dani­el Klos­ter, als Seni­or Solu­ti­on Archi­tect bei Phoe­nix Con­tact im Pro­jekt Vri­el­mann eng ein­ge­bun­den, ergänzt: „Wir haben gemein­sam ein Kun­den­pro­jekt abge­wi­ckelt. Und kamen im Zuge des­sen auf das haus­ei­ge­ne Bau­vor­ha­ben von Vri­el­mann zu spre­chen. Kurz ent­schlos­sen habe ich die Nord­hor­ner an den Stand­ort Bad Pyr­mont ein­ge­la­den.“

Das dor­ti­ge Gebäu­de 4 ist ein mitt­ler­wei­le inter­na­tio­nal bekann­tes Vor­zei­ge-Objekt mit einer Viel­zahl an inno­va­ti­ven Ein­zel­lö­sun­gen im Bereich der Gebäu­de­au­to­ma­ti­on. Doch über allem thront ein revo­lu­tio­nä­res Kon­zept der Gesamt­steue­rung, wel­ches das Ein­bin­den neu­er Funk­tio­na­li­tä­ten dras­tisch ver­ein­facht.

Gebäu­de­pla­ner im Stress

Das hat uns umge­hau­en. Das war genau das, was wir woll­ten“, zeigt sich ten Win­kel immer noch beein­druckt. „Keep it simp­le, keep it smart. Das war und ist der Weg, wie wir als Spe­zia­lis­ten für elek­tri­sche Anla­gen auch unser eige­nes Fir­men­ge­bäu­de haben woll­ten.“

Dani­el Klos­ter schmun­zelt, wenn er von den klei­nen Hür­den erzählt: „Ich kom­me eigent­lich aus dem Bereich der Kli­ma- und Lüf­tungs­tech­no­lo­gie. Und daher war mir sofort klar, dass Her­stel­ler von elek­tri­schen Anla­gen, Gebäu­de­au­to­ma­ti­on und Netz­ana­ly­se­spe­zia­lis­ten doch kei­ne Gasther­men ein­set­zen kön­nen. Da müs­sen doch Wär­me­pum­pen her!“ Gemein­sam mit Geschäfts- und Pro­jekt­lei­tung wur­de ein umfang­rei­ches Ener­gie­kon­zept auf­ge­stellt.

Pho­to­vol­ta­ik sowie rege­ne­ra­ti­ve Ener­gi­en wur­den for­ciert und sinn­voll in ein Gesamt­kon­zept designt. Das gan­ze muss­te zusätz­lich intel­li­gent gesteu­ert und den Pro­zes­sen von Vri­el­mann ange­passt wer­den „Heu­te haben wir hier Heiz-Kühl­de­cken im Ein­satz“, Ensink zeigt an die Decke. „Wir sind wirk­lich gemein­sam mit dem Bau auch fach­lich gewach­sen. Mitt­ler­wei­le ist eine gan­ze Abtei­lung ent­stan­den, die sich heu­te um Ener­gie­ma­nage­ment und Gebäu­de­au­to­ma­ti­on küm­mert.

30 Kilo­me­ter Netz­werk­ka­bel

ten Win­kel fügt hin­zu: „Die Gebäu­de­au­to­ma­ti­on, die durch ihre smar­te Ober­flä­che extrem fle­xi­bel und ein­fach zu pro­gram­mie­ren ist, zieht sich wie ein Back­bone durch sämt­li­che Ebe­nen des Gebäu­des. Wir haben hier allein rund 30 Kilo­me­ter Netz­werk­ka­bel ver­legt.“

Das hat vie­le Vor­tei­le“, Dani­el Klos­ter ist in sei­nem Ele­ment, „zum einen hät­ten wir mit kon­ven­tio­nel­ler Ver­ka­be­lung drei- bis vier­mal soviel Kabel benö­tigt, es wären auch deut­lich grö­ße­re Schalt­schrän­ke nötig gewor­den. Und ein ganz ent­schei­den­des Ele­ment ist die Fle­xi­bi­li­tät der gesam­ten Gebäu­de­steue­rung. Licht­steue­rung, Medi­en­tech­nik, Kli­ma- und Hei­zungs­re­ge­lung, Ener­gie­ma­nage­ment, Lüf­tung – selbst die sani­tä­ren Anla­gen sind in das Gebäu­de­ma­nage­ment ein­ge­bun­den, Leis­tung und Ver­bräu­che wer­den erfasst und bedarfs­ge­recht gesteu­ert.“

Kevin ten Win­kel ergänzt: „Sie fin­den im Umkreis von min­des­tens 300 Kilo­me­tern heu­te kein ver­gleich­ba­res Gebäu­de.“ Kur­zes Nach­den­ken: „Okay, nur eines, denn Bad Pyr­mont und Gebäu­de 4 sind ja nur gut 200 Kilo­me­ter ent­fernt …

High­tech aus dem Pier­cing-Stu­dio

Wie man das The­ma der Ver­net­zung in und mit sei­nem Gebäu­de trei­ben kann, zeigt Hei­ko Ensink mit brei­tem Grin­sen, indem er sei­ne Hand aus­streckt: „Ich habe mir einen RFID-Chip unter die Haut implan­tie­ren las­sen. Mit die­sem Bio­im­plan­tat steue­re ich zukünf­tig nicht nur die Zutritts­kon­trol­le, son­dern zum Bei­spiel auch die Zeit­er­fas­sung. Selbst das bin­den wir dann in die Intel­li­genz des Gebäu­des ein.“ Selbst­re­dend arbei­ten die Nord­hor­ner bereits an einer Schnitt­stel­le, mit der sie dem Implan­tat sel­ber neue Kom­man­dos und Mög­lich­kei­ten antrai­nie­ren kön­nen.

Läs­sig zeigt der Fir­men­chef Sprit­ze und klei­ne Kap­sel: „Kann man sich auch sel­ber ein­pflan­zen. Ich war aber in einem Pier­cing­stu­dio.“ Ungläu­bi­ges Stau­nen, doch tat­säch­lich sieht man eine klei­ne Erhe­bung auf der Hand­rück­sei­te von Ensink. Trend­set­ter oder leicht ver­rückt? Wohl eher ers­te­res, nach­dem selbst Elon Musk jüngst die Ver­net­zung von Hirn und Smart­pho­ne in den Bereich des Mög­li­chen rückt. Der Fir­men­chef fügt läs­sig hin­zu: „Tech­nik ist unser Job. Wenn wir das nicht lie­ben wür­den, könn­ten wir auch Bröt­chen ver­kau­fen.“

vrielmann.com

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