Wie gelinkt Elektromobilität im Alltag? Die Wunschliste an das Laden der Zukunft ist schnell formuliert. Möglichst günstig, möglichst schnell. Einfach, überall, jederzeit und ohne den ganzen Kartentüdelkram. Schwieriger ist die Frage, wie nah die Elektromobilität diesem Ideal heute schon gekommen ist. Zwei ausgewiesene Experten der Elektromobilität im Talk beim Podcast “Elektrisiert”.

Oliver Adrian ist CEO der Firma chargecloud. Die Kölner Firma existiert seit 2016 und hat sich Softwarelösungen rund um das Thema Elektromobilität und Ladeinfrastruktur verschrieben. „Das Wo ist im Jahr 2026 nicht mehr das Problem“, beschreibt er die Situation der Ladeinfrastruktur. “Das Wie ist ein zentrales Thema”, das Zusammenspiel aus Fahrzeug, Ladestation, Software, Abrechnung und unterschiedlichen Anbietern.
Daniela Stüker ist in Sachen E-Mobility ebenfalls ein alter Hase. Sie ist verantwortlich für die Technologie der Ladestecker bei Phoenix Contact, für die Produktlinie Charx Connect AC und DC. Sie weiß: “Die Reichweite ist dank größerer Batterien und stark verbesserter Ladeinfrastruktur kein Thema mehr.”
Elektromobilität im Alltag: Gewohnheiten verändern
Beide sind sich einig: Wie selbstverständlich sich Elektromobilität im Alltag anfühlt, entscheidet sich nicht durch Ladeleistung oder Reichweite. Daniela Stüker beschreibt eine optimale Situation an der Ladesäule: „Plug & Charge zeigt, wohin die Reise gehen kann: Das Fahrzeug wird angeschlossen, erkennt sich automatisch an der Ladesäule und rechnet den Ladevorgang im Hintergrund ab.”
Warum gibt es aber trotz der vielen Verbesserungen immer noch Berührungspunkte mit dem Thema? Oliver Adrian: „Tanken von Benzin oder Diesel ist eine gelernte Alltagssituation, die über viele Jahrzehnte aufgebaut worden sind.“ Elektromobilität sei dagegen noch jung und verlange neue Routinen.
Das Elektromobil als Teil des Energiesystems
Die nächste technologische Revolution steht schon vor der Tür: das bidirektionale Laden. Das Auto oder der Lkw kann nicht nur Energie aufnehmen, sondern auch wieder abgeben – an das Haus oder an das öffentliche Netz (vehicle to grid). Idealbild: unterwegs laden und zu Hause quasi als mobiler Speicher für Waschmaschine oder Trockner dienen.
Oliver Adrian sieht die Herausforderung vor allem in den fehlenden technischen Standards. „Dieses Zusammenspiel von all diesen Komponenten und all diesen Systemen, das ist einfach das, wo wir gerade am Anfang stehen.“
Die Zukunft des Ladens wird unsichtbar
Stüker und Adrian sind sich einig: Die Zukunft des Ladens besteht vor allem aus Verlässlichkeit, einfacher Bedienung und einem System, das im Hintergrund funktioniert.
Das Laden von E-Fahrzeugen wird nicht verschwinden. Für eine breite Akzeptanz der Elektromobilität im Alltag sollte es jedoch immer weniger Aufmerksamkeit erfordern: weniger Suche, weniger Nachdenken, mehr Selbstverständlichkeit. Genau darin könnte der eigentliche Fortschritt liegen.
Die Podcast-Folge hören
Die vollständige Diskussion mit Daniela Stüker und Oliver Adrian ist in der Podcast-Folge „Der Mobilitäs-Check: Laden ohne Nachdenken“ zu hören.




